Studienfächer

Puppen & Co. – Der Studiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst

Ist man erst einmal auf sie aufmerksam geworden, sieht man sie plötzlich überall: Puppen. Nicht nur in den vielen kleinen Puppentheatern, auch auf den großen Bühnen des Landes oder im Stadtbild kann man ihnen begegnen. Fasziniert stehen Kinder und Erwachsene gleichermaßen vor dem Phänomen der Verwandlung von leblosem Material in scheinbar lebende Wesen. Wie ist das möglich?

Möglich wird diese Transformation durch die Kunst des Puppenspielers, wenn er sein Handwerk gut beherrscht. Eine der weltweit anerkanntesten Ausbildungsstätten in dieser alten, sich ständig erneuernden Kunst, ist der Studiengang Zeitgenössische Puppenspielkunst an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Bei uns können junge Talente das Puppenspiel in all seinen Erscheinungsformen studieren. Die zeitgenössische Puppenspielkunst, so, wie wir sie verstehen, hat nämlich viele Gesichter. Figuren-, Objekt- und Materialtheater, Schauspiel, Performance oder Digitale Medien haben darin die gleiche Berechtigung wie klassisches Handpuppenspiel oder andere traditionelle Puppenformen.

Unsere Studierenden lernen auch, sich nicht ausschließlich als Darsteller zu begreifen, sondern sich auf vielfältige Weise in künstlerische Projekte einzubringen und eigene Theaterformen zu erfinden. Im Zusammenspiel mit den anderen Studiengängen unserer Hochschule wie Schauspiel, Regie, Dramaturgie und Choreografie finden sie bereits während des Studiums Partner für interdisziplinäre Projekte, entwickeln eigene Stückideen oder schreiben selber Texte.

Breit gefächert sind nach dem Studium auch die Arbeitsfelder unserer AbsolventInnen als freischaffende PuppenspielerInnen, SchauspielerInnen, PerformerInnen, Comedians, RegisseurInnen, AutorInnen, FestivalleiterInnen, DozentInnen, AusstatterInnen für Theater und Film und als Ensemblemitglieder oder Gäste an staatlichen und städtischen Bühnen.

Unsere Schule bietet bereits während des Studiums zahlreiche Möglichkeiten für Kooperationen mit Theatern und Festivals auf der ganzen Welt. Studio- und Ensemble-Inszenierungen entstehen größtenteils außerhalb der Hochschule an Bühnen, wie zum Beispiel Maxim Gorki Theater, Deutsches Theater Berlin, Gewandhaus Leipzig, Dschungel Wien. Nach einer Regelstudienzeit von acht Semestern und mit dem Diplom als PuppenspielerIn bzw. Darstellende/r KünstlerIn gehen unsere Studierenden dann in die Welt …

Animation

© Felix Schiller

© Felix Schiller

Die Technik, mit der wir leblosem Material Leben einhauchen, nennen wir Animation. Um diese Technik zu erlernen, ist es von zentraler Bedeutung, Bewegungsabläufe bei Lebewesen und deren Übertragung auf die Puppen oder Objekte zu studieren. So wie sich Menschen und Tiere aus ihrem Körperzentrum heraus bewegen, so bewegt sich auch ein Objekt aus seinem gedachten Zentrum heraus. Die Hand des Spielers gibt die eigenen Körperimpulse an das Objekt weiter. Mittels Sprechimpulsen verleiht der Spieler der Puppe oder dem Objekt eine Stimme, entwickelt einen Charakter und erschafft so eine eigenständigen „lebendige“ Figur.

Bewegung: Akrobatik, Aikido, Pantomime, Fechten, Steppen, Reiten, Tanz

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Aufbauend auf neurophysiologischen Erkenntnissen und Methoden wie Feldenkrais und Rolfing wurde an unserer Schule ein speziell für darstellende Künstler entwickelter Unterricht in Bewegung eingeführt. Dieser führt bei den Studierenden zu einem verfeinerten Körperbewusstsein, das sich wiederum auf Bühnenpräsenz, Ausdauer, Stimmkraft, Rhythmusgefühl, Timing und Bewegungsfantasie auswirkt. Die Studierenden begreifen die Verbindung zwischen Atem und Bewegung und werden befähigt, ihre körperlichen Grenzen allmählich zu erweitern, wodurch die Ausdrucksmittel vielfältiger werden. Puppenspieler lernen, die erworbenen Bewegungsmuster auf ihr Material zu übertragen.

Digitale Medien

© Felix Schiller

© Felix Schiller

Die Unmittelbarkeit des Puppentheaters in Verbindung mit digitalem Raum birgt ein großes Potential, das weit über traditionelle Erzählformen hinausgeht, und das es zu erforschen gilt.

Unser Labor für digitale Medien ist als permanenter Raum für Experimente und Improvisationen angelegt. Es bietet Einführungen zu Physical Computing, zum Spiel in und mit dem virtuellen Raum, zu neuen Projektions- und Bühnentechniken sowie zu interaktiven Kunstinstallationen. Laborteilnehmer können über verschiedenste Computer-Interfaces und Software die Verbindung zwischen realer und digitaler Technik und Bewegung erforschen und entwickeln.

Freie Projekte, Studio- und Ensemble-Inszenierung

© Felix Schiller

© Felix Schiller

Ab dem 3. Studienjahr gibt es mehrfach die Möglichkeit, die erlernten Fähigkeiten in theatralen Zusammenhängen zu erproben, die über das Maß der regelmäßigen Szenenvorspiele hinausgehen.

Freie Projekte ermöglichen es den Studierenden, autonom eine überschaubare Inszenierung oder Performance solistisch oder in Zusammenarbeit mit Kommilitonen zu entwickeln, zu gestalten, zu planen, zu entwerfen, zu bauen, zu organisieren, zu proben, zu proben, zu proben … und sie am Ende öffentlich zu zeigen – zum Beispiel im Rahmen des studentischen Festivals FREISPIELE.

In der Studio-Inszenierung, die in Kooperation mit einem Theater stattfindet, sollen die Studierenden dazu befähigt werden, innerhalb eines Inszenierungsteams, das noch aus Lehrkräften und Kommilitonen besteht, souverän zu agieren. Dabei lernen sie, eine dramatische Figur in ihrer Widersprüchlichkeit, Vielschichtigkeit und Entwicklung zu analysieren und innerhalb des Inszenierungsprozesses Lösungsangebote zu machen.

Bei der Ensembleinszenierung wird es dann richtig spannend. Man ist noch StudentIn, arbeitet aber an einem Theater zusammen mit dem aus Profis bestehenden Ensemble. Jetzt bekommt man erst so richtig ein Gespür dafür, was professionelle Theaterarbeit bedeutet, denn man erlebt alle Höhen und Tiefen eines Inszenierungsprozesses hautnah. Und wenn alles gut läuft, will man die Bühne nicht mehr verlassen …

Gestaltungslehre

© Karin Tiefensee

© Karin Tiefensee

Im Fach Gestaltungslehre stehen die Dinge im Mittelpunkt, die wir zum Spielen benutzen. Wir erforschen ihre Form im zwei- und dreidimensionalen Raum und ihre Wirkungsweise. Wir lernen zu verstehen, warum einige Formen oder Figuren ausdrucksstärker oder wiedererkennbarer sind als andere. Wir beginnen mit dem Sehen und Erfassen von einfachen Linienabläufen und räumlichen Formen.

Dann setzen wir unsere eigenen Visionen beim Zeichnen und Modellieren um. Es zeigt sich, dass jeder andere Begabungen hat. Manch einer ist ein guter Zeichner, ein anderer hat die originellsten Ideen in Ton. Am Ende steht eine Sammlung von Köpfen, Körpern, Tieren, Menschen, Mischwesen …

Handpuppe

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Also, ich bin DER Kasper! (laut) Mich muss man können. Mein Spieler braucht ein Handwerk, ich meine eine Hand, und ich bin das Werk.

Mein Spieler kriegt nicht einfach so meinen Ausdruck … (hier Musik mit der Quetschkommode). Also Beispiel: Wenn ich eine Leberwurst sehe oder sagen wir mal die Gretel, da geht die Post ab, da bebt die Bude, da … na da brauch‘ste als mein Spieler Kondition, da bleibt die Hand oben. Mein Spieler glaubt ja, dass er mich führt, ha, wer hier wen führt … (Kasper zwinkert mit dem linken Auge) Ich mag Improvisation, da muss mein Spieler was drauf haben, kann er üben, hat ja vier Jahre Zeit, mich zu ergründen … ist nicht so leicht, nur weil es so leicht aussieht …

Okay, es gibt noch andere Handpuppen mit eigenen Macken, z.B. meine Gretel, oder die Oma, Kroko und die Bande, Tod und Teufel nicht zu vergessen … Aber keiner ist so schwer zu spielen, wie ich! (Abgang)

Hybride Formen

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Hybride sind Mischwesen und um solche geht es in diesem Fach. Sie entstehen auf der Suche nach neuen Formen durch die Vermischung traditioneller Puppenformen, Spielweisen und Inhalte. Dabei entstehen mitunter die phantasievollsten oder skurrilsten Puppen und Objekt (z.B. Menschen mit Bildschirmköpfen …), die in verschiedenen Medien und Spielweisen animiert werden.

Kulturmanagement

© Erik-Jan Ouwerkerk

© Erik-Jan Ouwerkerk

Da sich viele unserer Studierenden bewusst für eine Laufbahn als freiberufliche/r KünstlerIn entscheiden, um eigene Projekte zu verwirklichen, ist das Fach Kulturmanagement immer wichtiger geworden. Es bietet Raum, sich mit den grundlegenden Fragen des freien Produzierens, ob als Solist oder innerhalb eines Künstlerkollektivs, frühzeitig auseinander zu setzen.

Ziel des Unterrichts ist es, sich die Grundlagen des Projektmanagements und Marketings praxisnah anzueignen, diese Bereiche als selbstverständliche Bestandteile des künstlerischen Produktionsprozesses zu verstehen und auch hier die Kreativität lustvoll zu entfalten.

Kunst- und Kulturgeschichte

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Um eigene künstlerische Ideen zu entwickeln, ist es sinnvoll und inspirierend, zu schauen, was die Künstler vor uns erdacht und geschaffen haben. Da künstlerisches Schaffen sich niemals losgelöst von den kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnissen vollzieht, lassen sich anhand von Kunstwerken und deren Ikonografie kulturelle Entwicklungen nachvollziehen und erklären. Unsere Untersuchungsobjekte finden wir in der Malerei und Grafik, der Bildhauerei und Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. Da die Berliner Museen reich an Kultur- und Kunstschätzen sind, führen uns zahlreiche Exkursionen direkt zu den Werken unserer Künstlerkollegen.

Marionette

© Felix Schiller

© Felix Schiller

Die Marionette, an Fäden geführt, wird immer wieder als Bild für den Menschen in Abhängigkeit zu höheren Mächten bemüht. Wer aber schon einmal versucht hat eine Marionette zu führen, wird merken, wie eigenständig und eigensinnig dieses kleine Wesen aus Holz ist. „Die macht ja, was sie will!“ Genau – denn sie folgt nur ihrem Schwerpunkt. Das ist dann eben Physik! Physikalisch gesehen ist die Marionette ein Pendel bzw. mehrere ineinander gehängte Pendel.
Das Spiel der Marionette erfordert viel Übung, Hingabe und Geduld. Wenn es aber einmal soweit ist, lebt diese Puppenart wie keine andere.

Maske

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Die Maske als „Gesichtsverkleidung“ verbirgt oder schützt unser wahres Gesicht. Sie verwandelt uns körperlich, gestisch und gedanklich in einen anderen Menschen bzw. in eine andere Figur. Wir nehmen unser durch die Maske verändertes Gesicht und die damit einhergehende Veränderung unseres Körpers wahr und können so mit uns spielen wie mit einer Puppe. Daher steht das Masken-Szenenstudium als methodisches Bindeglied zwischen Schauspiel und Puppenspiel.

Musik

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Können Puppen singen? Natürlich! Puppen handeln, bewegen sich und sprechen – also können sie auch singen. (Es muss ja nicht unbedingt die große Oper sein …)
Unsere Studierenden lernen erst einmal, mit anderen im Chor zu singen. Dann singen sie allein, begleitet vom Klavier. Später wird diese Erfahrung auf die Puppe übertragen. Sie steht dann im Rampenlicht, während der/die PuppenspielerIn ihr seine/ihre eigene Stimme leiht.
Wird der/die SpielerIn in der Handlung in einen musikalischen Vorgang eingebunden, entsteht Musiktheater. Formen des Musiktheaters sind heute so vielfältig wie das Theater selbst. Hier gibt es noch viel zu entdecken und zu erforschen.

Technik der Puppenführung

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

In diesem Fach werden die handwerklichen Grundlagen für den spielerischen Umgang mit Puppen und Objekten geschaffen. Hier wird erlernt, wie man ihnen Atem, Gedanken und Stimme verleiht, so dass die Illusion eines autonomen Wesens entsteht.
Den Ausgangspunkt hierfür bildet der Spieler selbst. Durch ein spezielles Körpertraining werden Bewegungsfähigkeit, Kondition und Konzentration gefördert. Bewegungsabläufe werden beobachtet, analysiert, erlernt und vom menschlichen Körper auf andere Formen übertragen.
Die Ausbildung erfolgt in den traditionellen Puppenarten Handpuppe, Marionette und Stabpuppe. Sie bildet eine Grundlage, von der aus in die grenzenlose Fülle der Formen gestartet werden kann.

Schauspiel

© Felix Schiller

© Felix Schiller

Man könnte sagen, ein Puppenspieler ist ein Schauspieler mit einer zusätzlichen Ausbildung für die verschiedenen Puppenarten und Objekte. Zum Handwerk eines Schauspielers gehört nicht nur die Beweglichkeit von Körper und Stimme. Die Studierenden lernen auch das bewusste Wahrnehmen, Begreifen, Benennen und Anwenden elementarer darstellerischer Mittel und damit ein bewusstes Handeln auf der Bühne. Anhand von schauspielerischen Übungen und Improvisationen werden Ausdrucksmittel bewusst gemacht. Was ist eine Geste, eine Situation, eine Haltung, ein Vorgang, ein Konflikt? Wie erlange ich Präsenz auf der Bühne?
Die Arbeit mündet in ein Szenen- und Rollenstudium, dem ein konkreter dramatischer Text zu Grunde liegt.

Sprechen und Körper-Stimmtraining

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Sprache auf der Bühne soll unter die Haut gehen, im Zuhörer etwas berühren. Das gesprochene Wort kann zum Weinen oder Lachen anregen, Weltbilder bestätigen oder in Frage stellen.
Wir zerlegen Sprechen in seine Einzelteile, beschäftigen uns mit Atem, Stimme, Artikulation. Alles, um es am Ende wieder zusammen zu setzen, um Texte und Sprache zum Erlebnis werden zu lassen.
Glaubhaft sprechende Puppen und Objekte üben eine große Faszination aus. Puppen sprechen anders als Menschen, sie können viel mehr. Sie können quietschen, säuseln, zischen, knartzen … es gibt fast nichts, was sie nicht können. Hier eröffnet sich für den Puppenspieler ein Raum von Möglichkeiten, der über den des Schauspielers hinaus reicht.

Im Körper- Stimmtraining werden die Stimmübungen an körperliche Aktionen und Bewegungsabläufe gekoppelt.

Technologie des Puppenbaus

© Ingo Mewes

© Ingo Mewes

Woraus sollte ich den Kopf machen? Warum hält das nicht? Kann  man Aluminium schweißen? Kann sich das auch von alleine bewegen? Wie halte ich das am Besten? Wieso sieht das bei Dir so einfach aus? Kann ich nicht einfach einen Cutter nehmen? Wie groß soll das Loch sein? Und wie versorge ich das dann mit Strom? Kann ich mich dann da auch draufstellen? Was soll das Ganze? …

Auf diese und weitere sich ganz sicher ergebende Fragen findet man in unserer Werkstatt und im Fach Puppenbau Antworten.

Theatergeschichte, Geschichte des Puppentheaters, Dramaturgie

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Nehmen wir als Beispiel den Theatertext von Heinrich von Kleist „Amphitryon, ein Lustspiel nach Molière“ von 1807.

Fragen der Theatergeschichte:
Was ist ein Lustspiel? Was unterscheidet ein Lustspiel von einer Komödie? Ist „Amphitryon“ überhaupt ein Lustspiel oder doch eher eine Tragödie? Woran macht man das denn fest? Welche Spielweise schwebte dem Autor wohl vor? Warum spielen die deutschen Theater heute noch immer dieses Stück?

Fragen der Puppentheatergeschichte:
Warum schreibt Kleist nach „Amphitryon“ den Text „Über das Marionettentheater“? Was will Kleist mit der Thematisierung des Marionettenspiels zeigen? Ist er nun dafür oder dagegen? Warum muss er das Marionettentheater überhaupt verteidigen? Ist „Amphitryon“ ein Stück für Puppen? Oder für Puppen und Menschen?

Fragen der Dramaturgie:
Wie ist das Stück gebaut? Warum geht es im Dunklen los? Wie wird die Hauptperson eingeführt? Warum stehen immer auch Leute auf der Bühne herum, die nur schauen und gar keinen Text haben? Warum fällt Alkmene erst in Ohnmacht und sagt dann nur „Ach!“, während die Männer so viel reden? Warum muss man in der Schlussszene immerzu an Weihnachten denken?

Theorie der Puppenspielkunst

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

In diesem Fach geht es um Bezüge des eigenen künstlerischen Schaffens zu dem, was andere schon gedacht, gesagt, geschrieben und getan haben. Es geht darum, die eigene ästhetische Position zu schärfen. Wo stehe ich selber und an welchen Diskurs knüpft meine Arbeit an? – Denn dass sie anknüpft, ist klar. Bewusst oder unbewusst. So persönlich eine Arbeit auch immer sein mag und sein muss, immer steht sie in der Zeit und weist über die Person ihres Schöpfers hinaus. Spätestens der Zuschauer wird das, was er erlebt und sieht, in Bezug setzen zu dem, was er kennt. Dieses Fach muss also vermitteln, was der jeweilige Zeitgeist kennt, und was interessant wäre, sonst noch zu kennen.

Verslehre

© Franziska Hauser

© Franziska Hauser

Verse ticken anders als die Alltagssprache. Jeder, der mit Puppen, die Verse sprechen, arbeitet, muss im Vorfeld ein paar Fragen klären:
Was ist ein Vers, das Metrum, ein Text, der Gestus, die Form der Sprache, der Rhythmus? Und wozu ist das alles auf der Bühne zu gebrauchen? Was erzähle ich wie? Was sind die Besonderheiten des Textes, des Autors, der Tradition? Und wie mache ich das, dass sich der Gedanke einer Puppe so anhört, als würde er soeben entstehen? Wie lernt man es, einen Text so zu sprechen, dass der Zuhörer ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommt? Indem man Verse kennenlernt, sie klärt, denkt, fühlt, sie ausprobiert und spricht, immer wieder.